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de:300:330:335 [2018/04/17 17:29] (aktuell)
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 +~~CLOSETOC~~ ​
 +======335 Bewässerung======
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 +=====Beschrieb und Begriffe=====
 +Bewässerungen von landwirtschaftlichem Kulturland sind Wassergaben während der Vegetationsperiode in Trockenzeiten. Sie sichern den Ertrag und verhindern Ernteeinbussen.\\ ​
 +In ariden Klimabereichen ist eine Bewässerung oft eine notwendige Voraussetzung für den
 +Anbau landwirtschaftlicher Kulturen. In unseren Breiten wird in der Regel nur temporär zu
 +bestimmten Zeiten der Vegetationsperiode bewässert, nämlich, wenn die angebauten
 +Kulturen für ihr Wachstum mehr Wasser benötigen als ihnen aus dem Bodenwasservorrat
 +zur Verfügung steht. Gerade bei sandigen Böden, die ein geringes Wasserspeichervermögen aufweisen, wird aus diesem Grund häufig bewässert. Dadurch können, insbesondere bei Gemüse, die Erträge stark gesteigert werden. Ein anderer Grund zur Bewässerung in humiden Klimaräumen ist die Frostschutzbewässerung zum Schutz der Blüten oder Knospen vor Spätfrösten im Frühling (bzw. zum Schutz der Jungpflanzen vor Frühfrösten im Herbst) (vgl. [[http://​www.wikimelio.ch/​dok/​Landnutzung_und_Landentwicklung_I.pdf | Tobias, S., 2005]]).\\
 +In der Vergangenheit waren insbesondere die inneralpinen Trockentäler von Produktionseinschränkungen durch übermässige Trockenheit betroffen. Gemäss der "​Studie Bewässerungsbedürftigkeit in der Schweiz"​ ist künftig in weiteren Regionen, insbesondere im Bereich des Jurabogens vermehrt mit Wassermangel für die landwirtschaftlichen Kulturen zu rechnen (vgl. [[http://​www.wikimelio.ch/​dok/​Bewaesserungsbeduerftigkeit_in_der_Schweiz.pdf| Jürg Fuhrer, Karsten Jasper, 2009]]).
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 +**Beregnung**\\
 +Bei der Beregnung wird Wasser aus einem Grundwasserträger,​ fliessenden Gewässer oder künstlich angelegtem Speicher in den Bewässerungsanlagen gepumpt. Dort angelangt kann das Wasser im erforderlichen Umfang und dosiert allenfalls mit Düngemittel vermischt an die Kulturen abgegeben werden.
 +Die Wasserabgabe erfolgt mittels Beregnungsanlage oder Tröpfchenbewässerung. ​
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 +**Beregnungsanlage**\\
 +In der Beregnungsanlage wird das Wasser mit Druck und über Kopf mit grösseren Wasserstrahlweiten versprüht. Die Beregnungsanlage kann stationär oder mobil geplant werden. Diese Bewässerungsart erfordert grössere Wassermengen (Wasserverluste durch Wind und Verdunstung).\\ ​
 +Bei der **stationären Anlage** rotiert die Beregnungsdüse um die eigene Achse oder im eingestellten Bewässerungssektor.\\
 +Die **mobile** Beregnungsanlage wird z. B. mit den Düsen an einem Balken über die zu bewässernden Kulturen gezogen.
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 +**Tröpfchenbewässerung**\\
 +Mit der Tröpfchenbewässerung wird gezielt und sparsam Wasser an die Kulturen abgegeben. Dabei kann der Betrieb individuell auf den Wasser- und allenfalls Nährstoffbedarf der einzelnen Kulturen eingestellt werden.\\
 +Der Bezug des Wassers kann über einen höher liegenden Wasserspeicher mit Druckleitung oder mittels Pumpenbetrieb erfolgen.
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 +**Wassergewinnung / Verteilung**\\
 +Die Oberflächenbewässerung ist eine Form der Bewässerung,​ die sich seit Jahrtausenden bewährt hat. Sie erfolgt auf natürliche Art durch Überflutung bei Hochwasserereignissen in Flusstälern oder mittels künstlicher Bauwerke.\\ ​
 +Bei den künstlichen Bauwerken wird das Bewässerungswasser gesammelt und mit leicht geneigten Kanälen oder mittels Pumpwerken gepumpt und den zu bewässernden Wiesen und Kulturen zugeführt.
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 +**Suone, Bisse **\\
 +Das zur Bewässerung erforderliche Wasser wird in offenen Gräben, Holzkanälen,​ Felsentunnels usw. den landwirtschaftlichen Kulturen zugeführt. Solche Wasserleitsysteme werden im Wallis als Suone (Oberwallis) oder Bisse (Unterwallis) bezeichnet. ​
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 +**Pumpwerk / Hydraulischer Widder**\\
 +Pumpwerke dienen der Wasserbeschaffung aus einem Grundwasserträger. Für das Hochpumpen des Wassers werden heute leistungsstarke Elektromotoren,​ die in einem Pumpenhaus platziert werden und über eine Zufahrt und elektrische Zuleitung betrieben werden.\\
 +Der hydraulische Widder ist eine Wasserpumpe,​ die nahe einem Gewässer mit dauernder Wasserführung steht. Er arbeitet mit dem Staudruck des über eine Speicherkammer zufliessenden Wassers und befördert eine Teilmenge davon auf ein höheres Niveau. Hydraulische Widder sind einfach gebaut, robust und arbeiten selbstständig über lange Zeit hinweg. Voraussetzung dazu ist stetig zufliessendes Wasser.
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 +=====Ziele=====
 +Bewässerungen haben den Zweck, den landwirtschaftlichen Kulturen in ausreichendem Mass Wasser zur Verfügung zu stellen.\\
 +In Sonderkulturen sollen Bewässerungen helfen, Frostschäden zu mindern.
 +Die Bewässerungen verhindern Ernteeinbussen und sichern den Ertrag.
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 +=====Methoden und Verfahren=====
 +Es gibt verschiedene Bewässerungsverfahren,​ von der Berieselung / Überflutung mittels unterirdischer Wassereinleitung über drainageähnliche Kanäle bis zur Besprengung mit Beregnungsanlagen. ​
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 +Eine ausführliche Übersicht über die verschiedenen Bewässerungsmöglichkeiten gibt die Publikation [[http://​www.wikimelio.ch/​dok/​Landw_Wasserbau_Muth_1974.pdf|"​Wasserbau,​ Landwirtschaftlicher Wasserbau, Bodenkultur"​ (Muth, Werner Ingenieur Texte 35, 1974, 13MB)]].\\
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 +Die Tröpfchenbewässerung ist das in der Schweiz wirkungsvollste Verfahren zur Bewässerung der Kulturen. ​
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 +Bewässerte Flächen können zur Versalzung von stark ton- und silthaltigen Böden führen. Mit [[300:​330:​334|Drainage (vgl. 334)]] werden überschüssige Salze in tiefer liegende Bodenschichten verlagert oder ganz ausgewaschen.
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 +Da während der Vegetationsperiode in Gebieten mit grosser Trockenheit zu wenig Wasser zur Verfügung steht und der Wasserbezug mit dem Trinkwasserbedarf konkurrenziert,​ sind bei künftigen Bewässerungsvorhaben auch die natürlichen und künstlichen Wasserspeichermöglichkeiten zu prüfen. Insbesondere das Fassen und Ableiten von qualitativ gutem Niederschlagswasser während des Winters z. B. bei Gewächshäusern aus Glas usw. könnten den zunehmenden Wassernotstand mindern helfen.
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 +Die zu projektierenden Beregnungsanlagen sind mit wenigen Ergänzungen gleich zu bearbeiten wie bei Wasserversorgungsanlagen ([[300:​330:​336 | vgl. 336 Wasserversorgung]]).
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 +Eine Einführung in das Thema Entwässerung / Bewässerung bietet auch [[http://​de.wikipedia.org/​wiki/​Bew%C3%A4sserung | Wikipedia]] ​
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 +=====Situation in der Schweiz=====
 +In früheren Jahrzehnten und Jahrhunderten erfolgte die Bewässerung von Wiesen (Wässermatten) und Kulturen vornehmlich in inneralpinen Trockentälern (Wallis, Graubünden) über künstlich erstellte Gräben und Leitungen, vereinzelt mit der Querung von Felsbändern. ​
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 +In Zeiten gestörter Zufuhren von Lebensmitteln in den 40er Jahren und mit zunehmender Mechanisierung und Motorisierung in der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts erfolgte ein sukzessiver Neu- und Ausbau von Wasserversorgungsanlagen der Gemeinden und Gemeindeverbundwerke und mit Unterstützung der obligatorischen,​ kantonalen Gebäudeversicherungen in der ganzen Schweiz. Diese Anlagen geben oft auch Wasser zur Bewässerung landwirtschaftlicher Kulturen ab.
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 +Der Bau von neuen Bewässerungsanlagen erfolgt entweder durch Private, bestehende Unterhaltsgenossenschaften oder durch neu gebildete Baugenossenschaften,​ allenfalls Einwohner- oder Bürgergemeinden bzw. öffentlich-rechtliche Körperschaften. Nach der Fertigstellung der Werke ist die Unterhaltsorganisation zu bestimmen, welche für den fachgemässen Unterhalt zuständig ist.
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 +Ende 2006 hat die Abteilung Strukturverbesserungen des Bundesamtes für Landwirtschaft eine Umfrage bei den kantonalen Amtsstellen durchgeführt. Die Kantone verfügen mit wenigen Ausnahmen über keine Flächeninventare der Bewässerungen. Einzig die Wasserfassungen sind teilweise erfasst. Die nun ausgewerteten Daten beruhen immer noch vorwiegend auf Schätzungen. Demzufolge werden in der Schweiz 43’000 ha regelmässig und weitere 12’000 ha in Trockenjahren bewässert. Für die Trockenjahre wird der Wasserbedarf auf 144 Mio. m<​sup>​3</​sup>​ geschätzt. Detaillierte Resultate befinden sich in folgenden Publikationen der Abteilung Strukturverbesserungen des Bundesamtes für Landwirtschaft:​
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 +[[http://​www.wikimelio.ch/​dok/​410_Bewaesserung_in_der_Schweiz_Stand_und_Ausblick_Geematiqu.pdf| "​Bewässerungen in der Schweiz: Stand und Ausblick"​ (Schild, A., 2008)]]\\ ​
 +[[http://​www.wikimelio.ch/​dok/​Bericht_zur_Umfrage_Stand_der_Bewaesserung.pdf | "Stand der Bewässerung in der Schweiz - Bericht zur Umfrage 2006 (Weber, M., Schild, A. 2007)]]\\ ​
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 +Den Wissensstand über die Wiesenbewässerung im Schweizer Berggebiet gibt der Agroscope-Bericht Forschungsprogramm AgriMontana [[http://​www.wikimelio.ch/​dok/​Wiesenbewaesserung_im_Berggebiet.pdf| "​Wiesenbewässerung im Berggebiet"​]] (Marbot, B., Schneider, M. und Flury, C., 2013) wieder.
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 +Eine Analyse des Einflusses des Klimawandels auf die Bewässerungsbedürftigkeit der Schweizer Landwirtschaftsflächen liefern drei Studien der Forschungsanstalt Agroscope Reckenholz-Tänikon ART:
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 +[[http://​www.wikimelio.ch/​dok/​Bewaesserungsbedarf_Wasserdargebot_Agroscope_Juni2012.pdf | "​Bewässerungsbedarf und Wasserdargebot unter heutigen und künftigen Klimabedingungen"​ (Fuhrer, J. 2012)]]\\
 +[[http://​www.wikimelio.ch/​dok/​Abschaetzung_des_Bewaesserungsbedarfs_Schweizer_Landwirtscha.pdf| "​Abschätzung des Bewässerungsbedarfs in der Schweizer Landwirtschaft"​ (Fuhrer, J. 2010)]]\\ ​
 +[[http://​www.wikimelio.ch/​dok/​410_Bewaesserungsbeduerftigkeit_von_Acker-_und_Grasland.pdf| "​Bewässerungsbedürftigkeit von Acker- und Grasland im heutigen Klima" (Fuhrer, J. und Jasper, K. 2009)]]\\ ​
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 +=====Fallbeispiele=====
 +Zukunftsgerichtet sind neue Verfahren zu erproben, in welchen das Wasser auch bei starken Niederschlagsereignissen ganzjährig gefasst, gespeichert und für die gezielte und sparsame Kulturenbewässerung wiederverwendet werden kann.
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 +[[this>​doku.php?​id=de:​300:​330:​335&​do=export_pdf|{{::​pdflogo.png|Download der Seite als PDF}}]]
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de/300/330/335.txt · Zuletzt geändert: 2018/04/17 17:29 (Externe Bearbeitung)