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 +~~CLOSETOC~~ ​
 +======333 Seilbahn======
  
 +=====Beschrieb und Begriffe=====
 +Mit einer Seilbahn können Transporte von Personen, Tieren oder Materialien mit Hilfe von gespannten Seilen bewerkstelligt werden.
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 +=====Ziele=====
 +Mit einer Seilbahn verbindet man in der Regel zwei Punkte (Ausnahme: Zwischenstation),​ um unwegsames Gelände oder grosse Höhendifferenzen zu überwinden. Mit einer Seilbahn kann der Eingriff in der Landschaft minimal gehalten werden. Zudem kann das zu erschliessende Gebiet von Fahrzeugverkehr verschont werden.
 +
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 +=====Methoden und Verfahren=====
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 +====A) Personenseilbahnen====
 +
 +===Methoden===
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 +Bei **Luftseilbahnen** wird zwischen zwei Seilbahntypen unterschieden:​
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 +  * **Pendelseilbahnen**,​ einspurig oder zweispurig. Die Pendelbahn hat ein festes Tragseil und wird in der Regel zweispurig betrieben. Die Pendelseilbahn ist die "​klassische"​ Luftseilbahn. Auf einem Tragseil verkehren die Kabinen, gezogen von einem Zugseil, zwischen zwei Stationen im Pendelverkehr hin und zurück. Je nach benötigter Transportkapazität werden einspurige oder zweispurige Pendelbahnen errichtet.
 +
 +  * **Umlaufseilbahnen** Die Umlaufbahn hat ein umlaufendes,​ endloses Tragseil. Die Kabinen, Gondeln oder Sessel sind fest (fix geklemmt) oder lösbar (kuppelbar) am Seil fixiert.
 +Die Umlaufseilbahn hat zwischen den Stationen ein endloses, ständig umlaufendes Förderseil,​ welches gleichzeitig als Trag- und als Zugseil dient. Dabei werden die Fahrzeuge an das Förderseil geklemmt, die auf einer Seite von einer Station zur anderen und auf der Gegenseite wieder zurück fahren. ​
 +
 +Zu den Personenseilbahnen gehören auch die **Standseilbahnen**. ​
 +Bei einer Standseilbahn fährt dessen Fahrzeug auf Schienen oder einer anderen festen Führung und wird durch ein Seil gezogen. Bei grösseren Anlagen verkehren üblicherweise zwei Fahrzeuge, die fest mit einem Drahtseil verbunden sind, das in der Bergstation über einen Antrieb geführt wird. 
 +
 +===Verfahren===
 +
 +Bei Personenseilbahnen sind folgende Verfahrensschritte zu beachten: ​
 +
 +**Planungsphase:​** Erarbeitung der seilbahn- und bautechnischen Planunterlagen mit Kostenermittlung.
 +
 +**Plangenehmigung:​** Der Bewilligungsbehörde sind die erforderlichen Planunterlagen einzureichen. Diese sind in der Seilbahnverordnung ([[http://​www.admin.ch/​opc/​de/​classified-compilation/​20061743/​index.html | SebV; SR 743.011]]) unter [[http://​www.admin.ch/​opc/​de/​classified-compilation/​20061743/​index.html#​a11|Artikel 11]] und im [[http://​www.admin.ch/​opc/​de/​classified-compilation/​20061743/​index.html#​app1 | Anhang 1]] aufgeführt.
 +
 +**Konzession:​** Mit dem Konzessionsgesuch sind der Bewilligungsbehörde eine Wirtschaftlichkeitsrechnung mit Investitionsplan und Finanzierungsplan einschliesslich dem Finanzierungsnachweis sowie eine Planerfolgsrechnung einzureichen.
 +
 +**Baubewilligung:​** ​
 +  * Durchführung des Mitberichtsverfahrens auf kantonaler Stufe
 +  * Meldung an das Bundesamt für Zivilluftfahrt (BAZL) betreffend Flughindernis
 +  * Publikation im Amtsblatt
 +  * Baubewilligung nach kantonalem Recht
 +
 +**Betriebsbewilligung:​** ​
 +  * Bei eidg. konzessionierten Anlagen gilt verfahrensmässig das BAV als Leitbehörde. Bei den übrigen Anlagen wird das Bewilligungsverfahren auf kantonaler Stufe koordiniert.
 +  * Es ist nachzuweisen,​ dass die Seilbahn den grundlegenden Anforderungen entspricht und dass sie vorschriftskonform gebaut worden ist. Die erforderlichen Unterlagen und Nachweise sind im [[http://​www.admin.ch/​opc/​de/​classified-compilation/​20061743/​index.html#​app3 | Anhang 3]] der Seilbahnverordnung ([[http://​www.admin.ch/​opc/​de/​classified-compilation/​20061743/​index.html#​app3 | SebV; SR 743.011]]) aufgeführt.
 +  * Nach erfolgter technischer Bauabnahme kann die Betriebsbewilligung erteilt werden.
 +
 +**Kleinseilbahnen (kantonal konzessionierten Anlagen)**\\ ​
 +Für Kleinseilbahnen mit einer Personenbeförderung **bis acht Personen pro Fahrspur** ist eine **kantonale Konzession** und Betriebsbewilligung erforderlich. Daneben unterstehen grössere Seilbahnen dem Bundesamt für Verkehr (BAV) und benötigen eine eidgenössische Konzession sowie eine Plangenehmigung und eine Betriebsbewilligung des Bundes.\\ ​
 +Die Kontrollstelle des Interkantonalen Konkordats für Seilbahnen und Skilifte (IKSS) ist im Auftrag der Konkordatskantone zuständig für die Sicherheitsüberprüfung der kantonal bewilligten Seilbahnen. Sie führt periodische Inspektionen durch und begutachtet Zustand, Betrieb und Instandhaltung. 21 Kantone und das assoziierte Fürstentum Liechtenstein sind Mitglieder des Seilbahnkonkordats (Stand 2012).\\ ​
 +
 +Revisionen und periodische Wiederinstandstellungen sind alle 8 - 12 Jahren für das Zugseil, die Laufwerke, den Antrieb und die Sicherheitseinrichtungen vorzunehmen. Die Fahrzeuge / Kabinen sind alle 16 – 20 Jahre zu revidieren. \\ 
 +
 +  * Interkantonales Konkordat für Seilbahnen und Skilifte (IKSS), Meiringen; [[http://​www.ikss.ch | www.ikss.ch]]\\ ​
 +\\
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 +====B) Materialseilbahnen====
 +
 +===Methoden===
 +
 +Es werden folgende **Seilbahntypen** unterschieden:​
 +
 +  * **Windenseilbahn** (die Lastbarelle läuft auf dem Tragseil, das Zugeil wird analog den Holzerseilbahnen aufgewickelt und bei der Talfahrt wieder abgerollt; Antrieb in der Regel mit einem Diesel- oder Benzinmotor)
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 +  * **Einseilbahn** (bei der Einseilbahn wird ein Seil via Tal- und Bergstation geführt, die Barelle wird zwischen dem Seil   ​fixiert,​ das Seil wird in der Berg- oder Talstation angetrieben;​ Antrieb Diesel oder elektrisch)
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 +  * **Bahn mit einem Tragseil und einem Umlaufzugseil** (die Barelle läuft auf dem Tragseil, das Umlaufzugseil wird mit einem Umlaufrad berg- und talwärts bewegt; Antrieb Diesel, Benzin oder elektrisch)
 +
 +  * **Bahn mit zwei Tragseilen und einem Umlaufzugseil** (die beiden Barellen laufen im Gegenzug auf den Tragseilen, das Umlaufzugseil wird mit einem Umlaufrad berg- und talwärts bewegt; Antrieb Diesel, Benzin oder elektrisch)
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 +===Verfahren===
 +  a) Planung
 +    * Der beauftragte Ingenieur klärt evtl. unter Beizug eines versierten Seilbahnbauers ab:
 +    * Linienführung
 +    * Längenprofil ​
 +    * Berechnen des Seildurchhanges leer und unter Last (Vorlesung Oplatka ETH)
 +    * Standorte Tal- und Bergstation festlegen
 +    * Standorte, Typ und Höhen der Stützen wählen
 +    * Berechnung der Fundamente ​
 +
 +  b) Ermittlung der Kosten
 +    * Einholen der Offerten bei Baumeister (Tal- und Bergstation,​ Fundamente) und Seilbahnbauer
 +
 +  c) Realisierung
 +    * Baubewilligungsverfahren
 +    * Gleichzeitige Meldung an BAZL betr. Luftfahrthindernis
 +    * Baubeginn an BAZL (1 Monat vor Baubeginn!!) und Baubewilligungsbehörde melden
 +    * Bauausführung ​
 +
 +**Materialseilbahnen unterstehen nicht dem Seilbahnkonkordat** wie das bei Seilbahnen mit Personenbeförderung der Fall ist. Das heisst jedoch nicht, dass beim Bau von Materialseilbahnen der Sicherheitsstandard vernachlässigt werden darf. Es geht auch bei Materialseilbahnen darum, dass beim Betrieb von Materialseilbahnen keine Schäden an der Anlage selber oder an Transportgütern entstehen. Zudem darf die Handhabung der Materialseilbahn den Maschinisten oder im Nahbereich der Bahn befindliche Personen nicht gefährden.  ​
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 +**Gesetzliche Grundlagen für Personen- und Materialseilbahnen:​**\ ​
 +  * Seilbahngesetz,​ [[http://​www.admin.ch/​opc/​de/​classified-compilation/​20041860/​index.html | SebG, SR 743.01]]\\ ​
 +  * Seilbahnverordnung,​ [[http://​www.admin.ch/​opc/​de/​classified-compilation/​20061743/​index.html | SebV; SR 743.011]]\\ ​
 +  * Seilverordnung,​ SeilV, [[http://​www.admin.ch/​opc/​de/​classified-compilation/​20110122/​index.html | SR 743.011.11]]\\ ​
 +  * Konkordat über die nicht eidg. konzessionierten Seilbahnen und Skilifte, [[http://​www.admin.ch/​opc/​de/​classified-compilation/​19510217/​index.html | SR 743.22]]\\  ​
 +  * [[http://​www.ikss.ch/​Dokumente/​Regelwerke/​de/​Reglement%20IKSS.pdf | Reglement über Bau und Betrieb der nicht eidg. konzessionierten Seilbahnen, Skilifte und Schrägaufzüge,​ letzte Anpassung vom 2.11.2006]]\\ ​
 +  * Umwelt und Raumplanung bei Seilbahnvorhaben,​ [[http://​www.bafu.admin.ch/​publikationen/​publikation/​01751/​index.html?​lang=de | Vollzugshilfe BAFU]]\\ ​
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 +=====Situation in der Schweiz=====
 +**Personenseilbahnen**
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 +Im Jahre 2012 gab es in der Schweiz 1749 Personentransportbahnen. Rund die Hälfte davon sind Skilifte. Die nachstehende Tabelle gibt einen Überblick über die Anlagen mit Bundes- oder einer kantonalen Konzession:
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 +|   ​| ​ eidgenössisch konzessioniert | kantonal konessioniert |  Total  |
 +|Pendel-, Umlauf- und Standseilbahnen ​ |  664  |   ​240 ​ |  904  |
 +|Schlepplifte ​  ​| ​   |   ​845 ​ |  845  |
 + 
 +Kleinseilbahnen zur Erschliessung des Berggebietes sind insbesondere in den Kantonen Nidwalden und Uri häufig anzutreffen. ​
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 +**Materialseilbahnen **
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 +Materialseilbahnen werden von den Behörden nicht geprüft, weil keine Personentransporte zugelassen sind. Die genaue Anzahl von Materialseilbahnen ist nicht bekannt. Das Bundesamt für Luftfahrt (BAZL) erfasst nur jene, die eine Gefahr für den Flugverkehr sein können (Bahnen, die auf bebautem Gebiet eine Höhe von mindestens 60 Metern und auf unbebautem Gebiet von mindestens 25 Metern haben). Von diesen hat das BAZL 1800 Materialseilbahnen erfasst. (Quelle: Verband Seilbahnen Schweiz, Bundesamt für Zivilluftfahrt)
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 +=====Fallbeispiele=====
 +**Personenseilbahnen**
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 +Im Schächental,​ Kt. Uri, bestehen 9 Personenseilbahnen,​ welche das Streusiedlungsgebiet in den Bergregionen erschliessen. Diejenige von Witerschwanden nach Eggenbergli (1’350 m über Meer) am südlichen Talhang wurde 1953 erstellt, 1985 revidiert und auf automatischen Jetonbetrieb mit Selbstbedienung umgebaut. Diese Seilbahn mit geschlossenen 4er-Kabinen erschliesst mehrere ganzjährig bewohnte Berglandwirtschaftsbetriebe. Die Anlage hat eine Länge von 1’542 m, überwindet einen Höhenunterschied von 578 m und hat bei den Stützen 2, 3, 4 und 5 je eine Zwischenstation.
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 +In der Gemeinde Isenthal UR erschliesst die Luftseilbahn St. Jakob-Gitschenen 5 Landwirtschaftsbetriebe und 5 Alpbetriebe. Auf Gitschenen (ca. 1’600 m über Meer) befinden sich auch ein Berggasthaus,​ Ferienhäuser und ein Skilift. Die doppelspurige Pendelbahn hat einen elektrischen Antrieb und überwindet eine Höhendifferenz von 555 m. Die Anlage hat 6 Stützen und eine Zwischenstation und eine Länge von 1’798 m. Die Nutzlast ist ausgelegt auf 8 Personen resp. 640 kg. Bei einer Fahrgeschwindigkeit von 5 m/s können rd. 70 Personen/h befördert werden. ​
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 +**Materialseilbahnen**
 +  * Bartholet Seilbahnen, Flums; [[http://​www.bmf-seilbahnen.ch | www.bmf-seilbahnen.ch]]\\ ​
 +  * Doppelmayr / Garaventa Gruppe; [[http://​www.doppelmayr.com | www.doppelmayr.com]] ; [[http://​www.garaventa.com/​ | www.garaventa.com]]\\ ​
 +  * Inauen-Schätti; ​ [[http://​www.seilbahnen.ch/​de/​index.php | www.seilbahnen.ch]]\\ ​
 +  * Pfyl, Seilbahnen; [[http://​www.pfyl-seilbahnen.ch/​ | www.pfyl-seilbahnen.ch]]\\ ​
 +  * Von Rotz Seilbahnen AG; [[http://​www.vonrotz-seilbahnen.ch/​ | www.vonrotz-seilbahnen.ch]]\\ ​
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 +**Literatur**
 +  * Materialseilbahnen – eine Chance für die Erschliessung im Berggebiet [W. Aeschimann, HJ. Ruf, Th. Schenk, H. Syfrig; Herausgeber:​ Stiftung Landschaftsschutz Schweiz]
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 +[[this>​doku.php?​id=de:​300:​330:​333&​do=export_pdf|{{::​pdflogo.png|Download der Seite als PDF}}]]
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